Archiv der Kategorie: ESG-Kriterien

Taxonomie und Offenlegung: Kommission veröffentlicht Fahrplan für Delegierte Verordnung

Am 28. Juli 2020 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Fahrplan für eine Delegierte Verordnung über taxonomierelevante Offenlegungen von Unternehmen, die nicht-finanzielle Informationen zur Ergänzung der Verordnung (EU) 2020/852 (Taxonomieverordnung) melden.

Die vorgeschlagene Delegierte Verordnung betrifft große börsennotierte Unternehmen, Banken und Versicherungsunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die der Richtlinie 2017/95/EU über nichtfinanzielle Berichterstattung (Non-Financial Reporting Directive, NFRD) unterliegen und wird die Anforderungen an diese Akteure spezifizieren. Sie soll Methoden und Indikatoren beinhalten, um Unternehmen dabei zu helfen, zu bestimmen, inwieweit ihre wirtschaftlichen Aktivitäten gemäß der EU-Taxonomie als ökologisch nachhaltig angesehen werden können. Die Unternehmen ihrerseits sollen verpflichtet werden, Informationen darüber zu veröffentlichen, wie und in welchem Umfang ihre Aktivitäten mit der EU-Taxonomie verbunden sind und demnach als ökologisch nachhaltig betrachtet werden. Diese Verpflichtung soll hinsichtlich der zwei klimabezogenen Ziele ab dem 1. Januar 2022 und hinsichtlich der vier übrigen, umweltbezogenen Ziele ab dem 1. Januar 2023 gelten.

Die Delegierte Verordnung wird bis Juni 2021 verabschiedet und unterscheidet sich von zwei anderen delegierten Rechtsakten im Rahmen der Taxonomieverordnung, die technische Prüfkriterien für sechs Umweltziele festlegen und bis zum 31. Dezember 2020 bzw. 31. Dezember 2021 verabschiedet werden sollen. Wichtig ist dabei, dass die Delegierte Verordnung die laufende Überarbeitung der NFRD und die Entwicklung technischer Regulierungsstandards durch die Europäischen Aufsichtsbehörden im Rahmen der Verordnung (EU) 2019/2088 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor (Offenlegungsverordnung) ergänzen wird.

Rückmeldungen zum Fahrplan der Kommission sind bis zum 08. September 2020 möglich.

Den Volltext finden Sie hier.

ESG-Kriterien und Nachhaltigkeitspräferenzen – EU-Kommission veröffentlicht Entwurf für Level-2-Maßnahmen

Die EU-Kommission hat am 08. Juni 2020 die lange erwarteten Entwürfe für Level-2-Maßnahmen zur Aufnahme von Nachhaltigkeitsfaktoren und –präferenzen im Bereich der Produkt-Governance veröffentlicht. Es geht unter anderem um die Änderungsrechtsakte zur Delegierten Verordnung und Delegierten Richtlinie zu MiFID II. Die Gelegenheit zur Stellungnahme besteht bis zum 6. Juli 2020.

Hervorzuheben ist der neue Vorstoß in den Level-2-Änderungsvorschlägen zu MiFID II, der das Verständnis der nachhaltigen Produkte, die zur Abdeckung der Nachhaltigkeitspräferenzen von Kunden dienen können, gegenüber der Offenlegungs-Verordnung einengt.
ESG-Strategieprodukte sollen für diesen Zweck nur geeignet sein, wenn sie zusätzlich

  • wenigstens teilweise Nachhaltigkeitsziele verfolgen und damit Impact Investing anbieten oder
  • nachteilige Nachhaltigkeitswirkungen auf der Produktebene berücksichtigen.

Der Entwurf des delegierten Rechtsakts enthält die Verpflichtung für Wertpapierfirmen, mit angemessener Granularität den potenziellen Zielmarkt für jedes ihrer Finanzinstrumente zu identifizieren und die Arten von Kunden zu bestimmen, für deren Bedürfnisse, Charakteristika und Ziele (einschließlich Nachhaltigkeitspräferenzen) diese Finanzinstrumente kompatibel sind. Hierbei handelt es sich um eine fortlaufende Prüfpflicht. Diese Anforderungen müssen bereits im Rahmen der Produkt-Governance Beachtung finden.

Weiter sieht der Entwurf vor, dass Wertpapierfirmen bei der Durchführung der Nachhaltigkeitsbewertung und der Erstellung von Eignungsberichten gemäß Artikel 54 Risiken, Kosten und Komplexität der Finanzinstrumente sowie alle Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen müssen, wenn sie entscheiden, welche Finanzinstrumente sie ihren Kunden empfehlen wollen. Außerdem trifft Wertpapierfirmen durch die Level-2-Maßnahmen eine Berichtspflicht gegenüber ihren Kunden, inwiefern das Produkt neben Anlagezielen, Risikoprofilen und Verlusttragungskapazitäten auch ihren Nachhaltigkeitspräferenzen entspricht.

Den Entwurf finden Sie hier.

Betreffend den Themenkomplex hielt am 16. Juni 2020 Dr. Caroline Herkströter ein Webinar zum Thema „Konsultationspapier des Gemeinsamen Ausschusses der Europäischen Aufsichtsbehörden zu ESG-Offenlegungen“.

Sie können dieses Webinar hier ansehen.