DerivateV: englische Übersetzung der Derivateverordnung

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Englische Übersetzung in German Banking Law (Stand: April 2015)


Einführung in die Derivateverordnung (DerivateV)
Introduction to the German Regulation on Derivatives („DerivateV“)

Die Derivateverordnung (DerivateV) regelt Risikomanagement und Risikomessung beim Einsatz von Derivaten, Wertpapier-Darlehen und Pensionsgeschäften in Investmentvermögen nach dem Kapitalanlagegesetzbuch („KAGB“).

The Regulation on Derivatives (the “DerivateV“) regulates risk management and risk measurement in the use of derivatives, securities loans and repurchase transactions in investment funds pursuant to the Capital Investment Code (the “KAGB”).

Die DerivateV gilt nicht etwa nur für OGAW, sondern ebenso auch für offene inländische AIF (sowohl Publikums- wie Spezial AIF). Die einschlägigen KAGB-Vorschriften erlauben der Kapitalverwaltungsgesellschaft („KVG“) den Einsatz von Derivaten im Portfolio des betreffenden Fonds. Dadurch kann sie für dessen Rechnung auch marktgegenläufige Positionen eingehen, um von fallenden Märkten profitieren zu können – auch dann, wenn die Basiswerte der marktgegenläufigen Positionen nicht im Fondsportfolio enthalten sind.

The DerivateV does not only apply to UCITS, but also to open-ended German AIF (both re-tail and special AIF). In the applicable provisions of the KAGB the investment fund management company (the “KVG”) is authorized to use derivatives in the portfolio of the respective fund. Making use of this option, the KVG can also open and hold positions for the fund’s account that run counter to the change in value of an underlying in order to benefit from bear markets – even in the event that the underlying of the positions that runs counter to their change in value is not part of the fund’s portfolio.

Allerdings darf der Derivateeinsatz keine unbegrenzte Hebelwirkung erzeugen. Nach § 197 Absatz 2 KAGB muss die KVG sicherstellen, dass sich das Marktrisikopotenzial beim jeweiligen Fonds infolge des Derivateeinsatzes höchstens verdoppelt.

However, the use of derivatives must not create unlimited leverage effects. Pursuant to § 197 paragraph 2 KAGB, the KVG shall ensure that the market risk potential of the respective fund does not more than double through the use of derivatives.

Bereits 2004 hat die BaFin von der schon im Vorgängergesetz zum KAGB enthaltenen Verordnungsermächtigung Gebrauch gemacht und in der DerivateV nähere Bestimmungen insbesondere dazu erlassen, wie das Marktrisikopotenzial und die Auslastung der Marktrisikogrenze für den Derivateeinsatz zu ermitteln sind.

Already in 2004, the BaFin has made use of the authorization included in the predecessor of the KAGB to issue a Regulation: In the DerivateV it has provided regulation in more de-tail, in particular, on the way of determination of the market risk potential and the utilization of the market risk limit for the use derivatives.

Die KVG hat die Auslastung der Marktrisikogrenze, die stets eingehalten werden muss, mindestens auf täglicher Basis zu ermitteln. Zur Ermittlung kann entweder das Marktrisiko des Fonds dessen Investitionsgrad infolge der Hebelwirkung herangezogen werden. Zwei unterschiedliche Ermittlungsmethoden stehen zur Verfügung: der einfache und der qualifizierte Ansatz.

The KVG has to determine the utilization of the market risk limit that must be complied with on an on-going basis at least on a daily basis. For the purpose of determination either the market risk of the fund or the level of investment caused by leverage effects may be used. Two different methods are available for determination: The simplified method and the qualified method.

Der einfache Ansatz basiert auf dem Prinzip, dass der Anrechnungsbetrag des Fonds für das Marktrisiko dessen Wert zu keinem Zeitpunkt übersteigen darf. Der Anrechnungsbetrag ergibt sich aus der Summe der einzelnen Anrechnungsbeträge der jeweiligen Derivate und Vermögensgegenstände mit derivativer Komponente sowie der Anrechnungsbeträge für Wertpapier-darlehen und Pensionsgeschäfte. Anrechnungsbeträge zwischen marktgegenläufigen Derivaten können verrechnet und der sich daraus ergebende Anrechnungsbetrag der einzelnen Derivate kann sodann mit den Marktwerten entsprechender nicht-derivativer Vermögensgegenstände verrechnet werden.

The simplified method is based on the principle that the fund’s allocable amount for the market risk may at no time exceed its net as-set value. The allocable amount is the aggregate of the individual allocable amounts of the respective derivatives and assets with a derivative component and the allocable amounts of securities loans and repurchase transactions. Allocable amounts between derivatives the change in value runs counter to the value of the underlying can be cleared and the allocable amount of the individual derivatives resulting from such clearance can subsequently be cleared with the market values of corresponding non-derivative assets.

Der Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko ist also (vgl. § 16 Absatz 3 DerivateV) die Summe der

Hence (cf. § 16 paragraph 3 DerivateV), the allocable amount for the market risk is the aggregate of

  • absoluten Werte der Anrechnungsbeträge der einzelnen Derivate und derivativen Komponenten von Vermögensgegenständen, die nicht in Verrechnungen einbezogen wurden,
  • absolute values of the allocable amounts of the individual derivatives and derivative components of assets which were not included in the clearings;
  • der absoluten Werte der Anrechnungs-beträge, die aus Verrechnungen resultieren, und
  • absolute values of the allocable amounts of the individual derivatives and derivative components of assets which were not included in the clearings;
  • der absoluten Werte der Anrechnungs-beträge aus Wertpapierdarlehen- und Pensionsgeschäften.
  • absolute values of the allocable amounts from securities loans and repurchase transactions.

Der qualifizierte Ansatz basiert auf einem Vergleich des Marktrisikos des Fonds mit einem derivatefreien Vergleichsvermögen, das keine Hebelwirkung aufweist und dessen Marktwert dem aktuellen Marktwert des Fonds entspricht. Der dem Fonds zuzuordnende potenzielle Marktrisikobetrag darf zu keinem Zeitpunkt das Zweifache des potenziellen Marktrisikobetrags des zugehörigen Vergleichsvermögens über-steigen, kann aber auch – alternativ – auf nur 20% des Nettofondsvermögenswerts begrenzt werden.

The qualified method is based on a comparison of the fund’s market risk with a reference portfolio free from any leverage effects that does not contain any derivatives and the market value of which corresponds with the cur-rent market value of the fund. The potential market risk amount attributable to the fund shall at no time exceed twice the potential market risk amount attributable to the related comparable reference portfolio. However, it can also – as an alternative – be limited to 20 per cent of the fund’s net asset value.

Zwar hat eine KVG prinzipiell die Wahl zwischen beiden Ansätzen; jedoch ist stets der qualifizierte Ansatz zu verwenden, wenn durch den einfachen Ansatz nicht alle im Fonds enthaltenen Marktrisiken hinreichend genau erfasst und bemessen werden können und wenn die Anlagestrategie des Fonds (über einen vernachlässigbaren Anteil hinaus) auf komplexen Strategien basiert und/oder der Fonds in komplexe Derivate investiert.

As a matter of principle, the KVG has the choice between the two methods; however, the qualified method shall always be used if the simplified method does not allow for detection and measurement of all of the market risks contained in the fund with adequate precision and if the investment strategy of the fund is based on complex strategies to a more than negligible portion and/or if the fund invests in complex derivatives to a more than negligible portion.

Der potenzielle Marktrisikobetrag ist mit Hilfe eines Risikomodells zu ermitteln, das dem Risikoprofil und der Anlagestrategie des Fonds sowie der Komplexität der ein-gesetzten Derivate angemessen Rechnung trägt. Bei der Ermittlung der risikobeschreibenden Kennzahlen müssen die in § 11 aufgeführten quantitativen Größen zugrunde gelegt, mindestens die Risikofaktoren nach § 12 erfasst und die qualitativen Anforderungen nach § 13 eingehalten werden. Außerdem muss das Modell eine befriedigende Prognosegüte aufweisen.

The potential market risk amount shall be calculated on the basis of a risk model that appropriately considers the risk profile and investment strategy of the fund as well as the complexity of the derivatives used. The calculation of the risk-defining key figures must be based on the quantitative standards set forth in § 11, at least the risk factors pursuant to § 12 must be included and the qualitative requirements set forth in § 13 must be complied with. Furthermore, the forecasts based on the model must show a satisfactory quality.

Die DerivateVO verlangt außerdem die Einbeziehung der Derivate und Vermögensgegenstände mit derivativer Komponente sowohl bei der Berechnung der Ausstellergrenzen (zur Steuerung des Emittentenrisikos) als auch bei der Ermittlung der Anrechnungsbeträge für das Kontrahentenrisiko.

Furthermore, the DerivateVO requires the inclusion of derivatives and assets with a derivative component both for the calculation of the issuer limits (for issuer risk management purposes) and for the determination of the amount allocable for the counterparty risk.

Soweit ein Fonds Derivate und Vermögensgegenstände mit derivativer Komponente enthält, sind in wenigstens monatlichen Abständen Stresstests durchzuführen, bei denen mögliche außergewöhnlich große Wertverluste des Fonds zu ermitteln sind. Diese Tests müssen sich auf alle Risiken erstrecken, die den Wert oder die Wertschwankungen des Fondsvermögens nicht nur unwesentlich beeinflussen. Besonderes Gewicht ist auf denjenigen Risiken zu legen, die mit dem gewählten Ansatz nicht vollständig berücksichtigt werden. Die Stresstests müssen risikoadäquat in das Risikomanagement für den Fonds integriert sein; ihre Ergebnisse sind bei der Disposition des Fonds angemessen zu berücksichtigen.

To the extent that derivatives and assets with a derivative component are included in a fund‘s portfolio, stress tests shall be carried out in at least monthly intervals in which extraordinary large depreciations of the fund shall be measured. These tests shall cover all risks that affect, to a not merely insignificant degree, the fund‘s value or the fluctuations in the fund‘s value. Particular importance must be attached to those risks which are not or only incompletely accounted for under the method used. The stress tests must be adequately integrated into the fund‘s risk management system and the results of the stress tests shall be taken adequately into account when making investment decisions for the fund.

Schließlich enthält die DerivateV noch Vorgaben für den Erwerb strukturierter Produkte mit derivativer Komponente.

Finally, the DerivateV also provides requirements for the acquisition of structured products with a derivative component.