Schlagwort-Archiv: Schaden

BGH: Berücksichtigung von Vorteilen bei der Schadensberechnung

Mit Urteil vom 18. Oktober 2018 (Az.: III ZR 498/16) hat der BGH die Ermittlung der Schadensersatzhöhe unter dem Aspekt der Vorteilsanrechnung in einem Fall der fehlerhaften Anlageberatung erörtert.

Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Der Kläger begehrte Schadensersatz aufgrund von fehlerhafter Anlageberatung. Nachdem die Beratung des Anlegers in einem einzigen Gespräch erfolgte, zeichnete der Anleger am selben Tag Beteiligungen an zwei geschlossenen Immobilienfonds, wovon sich einer negativ, die Gewinne des anderen jedoch insoweit positiv entwickelte, als dessen Gewinne die Verluste überstiegen.

Nach BGH muss sich ein Anleger, der auf der „Grundlage eines einheitlichen Beratungsgesprächs zwei verschiedene, ihrer Struktur nach aber gleichartige Anlagemodelle gezeichnet und dabei eine auf demselben Beratungsfehler beruhende einheitliche Anlageentscheidung getroffen hat, sofern er eines der beiden Geschäfte im Wege des Schadensersatzes rückabwickeln will, auf den Zeichnungsschaden aus dem verlustbringenden Geschäft die Gewinne aus dem positiv verlaufenen Geschäft anrechnen lassen (Vorteilsausgleichung). Die Anlageentscheidung über die beiden zeitgleich geschlossenen Beteiligungen seien in diesem Einzelfall als Gegenstand eines einheitlichen Beratungsgespräch und eines umfassenden Anlagevorschlag des Beraters miteinander zu „verklammern“. Die ihrer Struktur nach gleichartigen und in ihren Risiken vergleichbaren Investments stellten sich als ein Paket dar, sodass der Kläger eine einheitliche Anlageentscheidung getroffen habe (Einheitlichkeit der Anlageentscheidung). Hinzu komme, dass der Anlageberater bei dem Beratungsgespräch eine beide Anlagen gleichermaßen betreffende, inhaltlich identische Aufklärungspflichtverletzung begangen habe (Identität des Aufklärungsfehlers).

Das Urteil des BGH ist ein wesentlicher Schritt zur Klärung der seit langem umstrittenen Frage der Vorteilsausgleichung von Renditen aus unterschiedlichen Investments. Unmittelbar gilt das Urteil jedoch nur für Fälle, in denen eine Kumulation der erörterten Umstände vorliegt , was dieselbe Beratungssituation, ein umfassendes Anlagekonzept, gleichartige Kapitalmarktprodukte, die Identität des Aufklärungsfehlers und einheitliche Gesamtentscheidung des Klägers erfordert.

Kontakt