Geldmarktfonds: Einigung auf Kompromiss für eine EU-Verordnung

Zuletzt hatte die Europäische Kommission am 4. September 2013 eine neue Verordnung zu Geldmarktfonds vorgelegt. Diese Fonds stellen in der Regel eine wichtige Finanzierungsquelle für kurzfristige Finanzierung dar, die vor allem von Finanzinstituten, Unternehmen und Regierungen genutzt werden. Der Verordnungsvorschlag sollte neue Regeln aufstellen, um Geldmarktfonds gegen neue Finanzkrisen abzusichern.

Nach jahrelangem Stillstand haben sich die Mitgliedsstaaten nunmehr am 10. Juni 2016 auf einen Kompromisstext geeinigt, welcher gegenüber dem Kommissionsentwurf  aus September 2013 wesentliche Verbesserungen enthält:

Grundsätzlich gilt die Verordnung gilt für alle OGAW und AIF, die in Vermögenswerte mit bis zu zweijähriger Laufzeit investieren und dabei eine geldmarktsatzkonforme Rendite oder die Wertbeständigkeit der Anlage anstreben. Fonds, die ein geringfügiges Übertreffen des Geldmarktzinses anstreben, sind nicht automatisch von der Verordnung ausgenommen.

Im Unterschied zum Kommissionsentwurf aus September 2013 ist es zu diversen Erleichterungen gekommen. So fehlt im Kompromisstext die grundsätzliche Anforderung, dass CNAV-MMF (=kurzfristige MMF mit konstantem Nettoinventarwert) jederzeit einen Barmittel-Puffer in Höhe von mindestens 3 % der Vermögenswerte auf einem getrennten Rücklagenkonto vorhalten müssen. Auch wurde der Katalog der erwerbbaren Vermögensgegenstände um Verbriefungen und Anteile an anderen Geldmarktfonds und Pensionsgeschäfte erweitert. Weitere wesentliche Erleichterungen betreffen die Liquiditäts- und Bewertungsvorschriften und die Diversifizierung der Anlagen.

Der Kompromissentwurf muss nun noch vom Rat offiziell angenommen werden, um dann in die Verhandlungen mit dem EU-Parlament einzutreten. Für bestehende Geldmarktfonds soll im Grundsatz eine Übergangsfrist von 24 Monaten gelten, um die Anforderungen der EU-Verordnung umzusetzen bzw. eine Neuzulassung zu beantragen.

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