ESA veröffentlichen Diskussionspapier zur Nutzung von Big Data durch Finanzinstitute

Am 19. Dezember 2017 veröffentlichte der gemeinsame Ausschuss von EBA, ESMA und EIOPA (ESA Joint Comitee) ein Diskussionspapier zur Nutzung von Big Data durch Finanzinstitute. Das Discussion Papier stellt den Begriff „Big Data“ näher dar, beschäftigt sich mit den Vorteilen und Risiken für den Verbraucher und Finanzinstitute, stellt den möglichen zukünftigen Einfluss der Nutzung von Kundendaten dar. Davon ausgehend diskutieren die Aufsichtsbehörden die Notwendigkeit einer aufsichtsrechtlichen Regulierung.


Die ESA versteht „Big Data“ als eine große Menge unterschiedlicher Arten von Daten, welche aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen (u.a. soziale Medien) in hoher Geschwindigkeit gewonnen, und durch IT-Komponenten verarbeitet werden. Dabei stehen die drei „V’s“ im Vordergrund: Volume, Variety, Velocity.

Der stärkste regulatorische Anknüpfungspunkt im Rahmen von Big Data wird wohl der des Datenschutzes sein. Dabei werden laut ESA u.a. die Fragen relevant, wie die entsprechenden Daten gesammelt werden, aus welchen Quellen diese stammen, inwiefern der Verbraucher darüber zu informieren ist, dass Daten gesammelt wurden und wie diese verwendet werden. Dabei führt die ESA aus, dass die Nutzung von Daten vor dem Hintergrund der Bedürfnisse des Verbrauchers rechtmäßig und fair stattfinden muss. Aus Sicht des Konsumentenschutzes können u.a. die Richtlinie über den Fernabsatz von Finanzdienstleistungen an Verbraucher (2002/65/EG) die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken (2005/29/EG), sowie die Richtlinie über irreführende und vergleichende Werbung (2006/114/EG) beachtlich sein. Daneben führt die ESA an, dass auch spezifische Finanz-Regulation einschlägig sein kann, auch wenn sich diese nicht konkret auf das Thema Big Data bezieht. In Betracht kommen dabei u.a. die PSD, MiFID II/MiFIR, AIFMD und CRD IV. So kann die Nutzung von Big Data für die Institute mit gesonderten Anforderungen an interne organisatorische Strukturen einhergehen.

Vorteile ergeben sich für den Kunden nach Ansicht der ESA aus der Möglichkeit der Institute, Produkte näher auf die persönlichen Bedürfnisse des Kunden hin anzupassen. Big Data ermöglicht den Instituten dabei gezielter der Frage nachzugehen, was der jeweilige Kunde tatsächlich braucht. Auf der anderen Seite ermöglicht Big Data dem Kunden eine bessere Übersicht über das eigene Verhalten oder die finanzielle Situation zu erhalten. Zusätzlich kann Big Data den Kunden mit Echtzeit-Informationen in Bezug auf dessen Investments oder zukünftige finanzielle Planung versorgen. Weiter soll Big Data den Kunden wie auch den Instituten helfen, Betrug bzw. illegale Aktivitäten schneller zu erkennen.

Ein Risiko, welches mit Big Data einhergeht ist vor allem die Gefahr des Kunden, aufgrund von Big Data durch z.B. sein Versicherungsunternehmen oder seine Bank „nachteilig“ eingestuft zu werden. Generell nutzen die Institute ihre Daten nicht nur um Vorteile für den Kunden zu generieren, sondern auch um eigene Risiken in Bezug auf den Kunden zu minimieren. Dabei kann fraglich sein, ob die Institute gewisse Verhaltensweisen, welche ggf. einen negativen Einfluss auf die Bewertung des Kunden haben können, richtig interpretieren. Dabei stellt sich vor allem das Problem, dass aufgrund mangelnder Transparenz Kunden nachteilig eingestuft werden könnten, ohne den entsprechenden Grund bzw. Umstand dafür zu kennen.

Die ESA geht mit Blick auf zukünftige Entwicklung davon aus, dass Institute v.a. im Rahmen der Digitalisierung ihres Geschäfts vermehrt auf Daten angewiesen sind, und diese auch vermehrt erfassen und verarbeiten werden. So ist das Phänomen Big Date laut ESA vor allem in Bezug auf die Aspekte Regulation, Sicherheit, Privatsphäre, Rechenschaftspflicht und grundsätzlich soziale Belange weiter zu beobachten und ggf. anzupassen.

Die ESA nimmt bis zum 17. März Kommentare zum Diskussionspapier entgegen.